Frauenland

 

Die Prinzessin mit dem Kürbis arbeitete nicht allein im Gartencenter, sondern gemeinsam mit der Froschkönigin. Das Gartencenter hieß eigentlich »Die sprechenden Blumen«, wurde aber von manchen Bewohnern des Landes auch etwas spöttisch Blablablumencenter genannt.

»Grmngrnnbrugrnn,« so hörte sich die Spezialität des Gartencenters für ungeübte Ohren an. Es waren die grummelnden Gräser. Doch sie wurden gerne von den Kunden gekauft. Einmal in einen Garten gepflanzt, grummelten sie ständig vor sich hin und waren somit ein sehr guter Schutz gegen Einbrecher. Hörte man lange genug hin, dann klang das Grummeln der Gräser wie eine Diskussionsrunde über die aktuelle Politik im Frauenland oder wie eine Krankheitsgeschichte eines Besuchers aus den Männermooren.

 

 

Die Entführung

 

»Deine Meinung ist aber nicht gefragt!« Die Froschkönigin fiel der Prinzessin ins Wort, während diese die Tür zum Gartencenter aufschloss. Auf eine Unterhaltung über das Kussfahren hatte sie zu Beginn der Wachzeit keine Lust.

Die trällernden Tulpen, welche direkt am Eingang des Gartencenters standen, fühlten sich von dem Wortwechsel inspiriert und stimmten ein Lied an: „Kissless in the morning, kissless ...“ Sie brachen jedoch sofort mit ihrem Gesang ab, als Froschkönigin und Prinzessin gleichzeitig ziemlich grimmig in ihre Richtung schauten.

Die trällernden Tulpen, welche direkt am Eingang des Gartencenters standen, fühlten sich von dem Wortwechsel jedoch inspiriert und stimmten ein Lied an: »Kissless in the morning, kissless ...« Sie brachen jedoch sofort mit ihrem Gesang ab, als Froschkönigin und Prinzessin gleichzeitig ziemlich grimmig in ihre Richtung schauten. Niemand wusste, wo sie dieses Lied aufgeschnappt hatten und niemand wusste, was dieses morning bedeutete. In der Bielewelt gab es nämlich keine Tageszeiten, auch nicht Tag und Nacht, sondern Wach- und Schlafzeit. Ansonsten gab es keine weiteren nennenswerten Zeiteinteilungen. Lediglich die Wachzeit wurde in der Mitte geteilt. Das war dann die halbe Wachzeit, auch Halbzeit genannt. Doch es blieb nicht lange still, denn plötzlich platzte das Wolfsfräulein herein. Das Wolfsfräulein, müsst ihr wissen, gehörte zu dem Stamm der wartenden Wölfe. Ursprünglich lebten die wartenden Wölfe im alten Wartesaal, der sich am großen Kussbahnhof befand. Daher, sagt man, hätten sie ihren Namen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich liegt das Warten in der Natur der wartenden Wölfe. Es gibt sie auch bei uns und wenn ihr gut hinseht, werdet ihr sie finden. Ihr erkennt sie daran, dass sie - völlig unentschlossen etwas zu tun oder nicht zu tun - sich immer nur für das Letztere entscheiden und abwarten. Leider macht diese Angewohnheit die wartenden Wölfe bisweilen völlig lebensuntüchtig. Um sich überhaupt im Leben zurechtzufinden, leben sie daher häufig in Gemeinschaft mit den bestimmenden Bären.

 


Der Aufbruch

 

Als sie diese noch in letzter Sekunde festhalten konnte, sah auch das Wolfsfräulein wieder auf und holte tief Luft: »Ich habe mir gedacht, ihr könntet sicher Hilfe gebrauchen auf eurer Suche und daher habe ich mich entschlossen ...«. 

Doch das Wolfsfräulein konnte den Satz nicht beenden, denn aus Froschkönigin und Prinzessin platzte es gleichzeitig heraus: »Du hast was?«

»Ich habe mich entschlossen mitzukommen.« Diesmal klang die Stimme des Wolfsfräuleins schon lauter und energischer.

»Fräuleinchen, Fräuleinchen, ich bin stolz auf dich«, mischte sich nun die wartende Wilma ein, die zwar noch nichts von der Entführung gehört hatte, aber ein Entschluss eines Wolfes und das spontan, das war schon eine Sensation und damit Grund genug stolz zu sein.

Nach ihren Worten wurde es sofort still in der Punktekammer. Man könnte fast glauben, es wäre bodenstill gewesen, aber darüber kann man geteilter Meinung sein.

Auf jeden Fall beendete die Froschkönigin als erste diese Stille: »Ja?« Ihre großen Froschaugen blickten in Richtung der Prinzessin mit dem Kürbis: »Wie stehst du dazu, Prinzessin?«

Während die beiden sich fragend ansahen, holte das Wolfsfräulein wieder tief Luft und streckte sich – ihre Augen strahlten: »Ihr wisst es wahrscheinlich nicht. Ich bin seit einiger Zeit mit der Guten Menschin von Anderswo befreundet. Und ich gehe mit, ob ihr das wollt oder nicht. Es ist entschieden!«